Sterben Spielhallen aus oder gibt es einen neuen Boom?

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Sterben Spielhallen aus oder gibt es einen neuen Boom?

Onlinecasino oder Spielhalle vor Ort? Die Frage stellt sich für viele Zocker heute nicht mehr, denn im Onlinecasino gibt es alles, sie werden technisch immer ausgefeilter und Spielhallen und Casinos sterben doch sowieso aus. Doch ist das wirklich so? Oder gibt es auch einen Gegentrend, bei dem sich ambitionierte Glücksspieler wieder vermehrt hin zur klassischen Spielhalle bewegen? Wir haben uns mit dieser Frage anlässlich der vielen Neueröffnungen von Spielhallen in Deutschland nochmals genauer auseinandergesetzt und zudem versucht herauszufinden, was letztendlich den Reiz an einer Spielothek im Vergleich zum Onlinecasino ausmacht. Darüber möchten wir den Bogen spannen und eine Prognose wagen, wie Spielhallen auch in Zukunft Menschen begeistern und dadurch wirtschaftlich überlebensfähig sein können.

Spielhalle

Spielhallen – Zukunftsfähig oder vom Aussterben bedroht? – Quelle: Pixabay.com

Spielhalle, Spielothek und Casino – ein Relikt aus der Vergangenheit?

Spielhallen gehören nach wie vor in vielen Deutschen Städten zum festen Bestandteil des Stadtbildes und auch der Kultur. So sind große Casinos in Großstädten nach wie vor beliebte Treffpunkte und lukrative Unternehmen, die staatlich reguliert betrieben werden. Hier ist man weit von Schließungen entfernt, im Gegenteil: Es entstehen viele neue Spielhallen mit Automaten und auch große Casinos in Deutschland. Zwar sprießen sie aufgrund des Staatsvertrages und der strengen Regulierung nicht so aus dem Boden wie Onlinecasinos mit Sitz in Malta oder Gibraltar, dennoch zeigen entsprechend auch die Statistiken, dass die Zahl an Casinos in Deutschland nicht rückläufig ist, sondern sogar anssteigt bzw. zumindest gleichbleibend ist. Was ist denn nun? Gehen Spielbanken gnadenlos unter oder ist es nach wie vor ein lukrativer Geschäftszweig, der florieren kann?

Spielhallen in Deutschland

In Deutschland gab es laut Statista im Jahr 2002 5.562 Spielhallen. Bis zum Jahr 2008 ging die Gesamtzahl dann stetig zurück auf bis 4.880 aktive Spielhallenbetriebe. Doch dann kam eine kleine Wende, denn trotz starkem Onlineangebot erwiesen sich strategisch gute Standorte als sehr lukrativ und interessant für Spielhallenbetreiber. So kam es, dass von 2008 bis zum Jahr 2017 die Gesamtzahl an Spielhallen wieder auf 6.015 anstieg, also deutlich mehr als noch im Jahr 2002. Für diese Trendwende gibt es durchaus gute Gründe. Doch warum hört man überwiegend negatives über die Branche und warum ist man im Allgemeinen der Meinung, dass Onlinecasinos über Kurz oder Lang den stationären Betrieben den Rang ablaufen werden?

Steuerpflichtige Unternehmen im Wirtschaftszweig Spielhallen

Steuerpflichtige Unternehmen im Wirtschaftszweig Spielhallen in Deutschland – Quelle: Statista.com

Von Neueröffnungen, Schließungen und Umsatzrückgängen

Egal wo man schaut, man liest überwiegend von Schließungen und wie schlecht es dem stationären Glücksspielmarkt geht. Dies liegt allerdings nicht nur am Rückgang der Besucherzahlen, sondern auch dem leidigen Thema des Glücksspiel-Staatsvertrages. Denn dieser verbietet es lokalen Casinobetreibern, gleichzeitig auch Casinos im Internet zu betreiben. Umso kurioser ist es daher, dass Deutschland laut General Anzeiger Bonn im Bereich des Online-Poker an zweiter Stelle nach den USA steht. Die rund 2.000 Betreiber der Onlineportale sind allerdings nie deutsche Firmen, die hierzulande auch Casinos unterhalten, sondern meistens Firmen mit Sitz im EU-Ausland. Ein besonders bizarres Ausmaß nimmt dieser Umstand an, wenn man sich die Geschäftspraktiken von Löwen Play über Scheinfirmen im EU-Ausland anschaut. Doch diese Ausmaße sind in Deutschland zweifelsfrei hausgemacht.

Schaut man sich die Entwicklung des berühmten Spielbankbetreibers Michael Seegert an, wird schnell klar, dass die Zukunft der stationären Spielotheken und Casinos nicht sehr rosig aussieht. Seegert kennt das staatlich geregelte Glücksspiel in Deutschland wie kaum ein Zweiter, denn er ist seit Jahren persönlich haftender Gesellschafter der Spielbank Bad Neuenahr Gmbh & Co. KG. Im Vergleich zu 2002 sind die Umsätze von 23 Millionen auf rund 10 Millionen Euro zurückgegangen. Auch die durchschnittlichen Besucherzahlen sind von 622 auf 400 stark rückläufig. Dennoch ist Seegert positiv eingestellt und sieht Zukunft im Bereich der stationären Casinos. Dies ist auch begründet, denn er weiß, dass die großen Casinos an günstigen Standorten nach wie vor großes Potential haben. Nicht umsonst werden auch heute noch jährlich viele neue Casinos eröffnet, wie beispielsweise im März 2018 das große Casino in Stralsund. Auch die Casinodichte ist derzeit noch sehr hoch. So konkurrieren laut Nordkurier beispielsweise alleine in Neubrandenburg 16 Spielotheken um die Gunst der Spieler und es gab selbst hier zuletzt Aktivitäten in der Woldegker Straße, wo eine neue Spielbank durch die Spielbanken MV GmbH & Co. KG eröffnet wird.

Nimmt die Dichte an Spielotheken ab, werden die die übrig bleiben natürlich entsprechend mehr Spieler anziehen und für lukrative Geschäfte sorgen. Die meisten Spielhallen gibt es derzeit in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Doch was zieht die Spieler in Zeiten von VR-Casinos, Livecasinos mit echten Dealern heute überhaupt noch in die Spielhalle?

Spielhalle – ein konkurrenzloses Konzept

Die ideale Spielhalle muss theoretisch die Online-Konkurrenz nicht so sehr fürchten, wie man meinen könnte. Denn nach wie vor bieten stationäre Casinos Vorteile für die Spieler, die selbst die realistischste VR-Casinosoftware nicht erreichen kann. Schließlich ist man nur im echten Casino wirklich live dabei und nicht nur virtuell aus dem heimischen Wohnzimmer oder am Smartphone auf der Couch. Welche Vorteile und Vorzüge haben Spielotheken und Spielhallen heute noch?

  • Hautnah dabei
    In keinem Onlinecasin ist man so hautnah dabei, wie in einer echten Spielhalle bzw. in einem echten Casino. Man hat stets den Blick auf das Geschehen und kann sich im Gegensatz zum Spiel im Onlinecasino stets sicher sein, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Als Beispiel muss man sich nur das digitale Roulette im Vergleich zum klassischen Roulette mit Croupier im Casino vor Augen halten. Während man hier die Kugel genau verfolgen kann, ist es im virtuellen Casino durchaus möglich, dass der Verlauf der Kugel softwareseitig beeinflusst wird. Zwar wird auch die Software reguliert und geprüft, doch wer kann das schon mit Gewissheit nachvollziehen? Onlinecasinos setzen diesem Vorteil Livecasinos mit echten Dealern und Croupiers entgegen, bei denen man auch vom Wohnzimmer aus per Livestream mit dem Casino verbunden ist. Doch mit echter Casinoatmosphäre hat das natürlich nicht viel zu tun.
  • Gemeinsames Zocken
    Wer mit Freunden Casino spielen will, kann dies zwar unkompliziert auch online tun, es ist aber natürlich etwas anderes, ob der Freund neben mit am Pokertisch wirklich sitzt, oder ob wir nur unsere Stimme hören und online zusammen spielen. Das Gefühl des gemeinsamen Spiels ist etwas, das einen ganz besonderen Reiz ausmacht. Insbesondere beim Poker ist das tatsächliche Spiel dem virtuellen Spiel hinsichtlich Spielgefühl deutlich überlegen. Man denke nur an das Pokerface, das es im Onlinecasino schlichtweg nicht gibt – beziehungsweise nur virtuell.
  • Atmosphäre und Lebensgefühl
    In vielen Casinos gibt es eine Kleiderordnung. Große Casinos strahlen einen bestimmten Flair aus und spiegeln ein bestimmtes Lebensgefühl wieder. Die Kombination aus Prunk, dem Genießen von Cocktails und dem Spielen verschiedener Spiele im Casino ist etwas, das sich online – selbst im VR-Casino – nicht abbilden lässt. Wer würde schon bestreiten, dass das besondere Flair und der Luxus in Las Vegas etwas ist, dass einmalig auf der Welt ist und sich nicht so einfach in die virtuelle Welt übetragen lässt.

Fazit – Sterben Spielhallen nun aus?

Es steht außer Frage, dass Onlinecasinos große Vorteile gegenüber stationären Spielhallen haben. So gibt es keine Öffnungszeiten, die Auswahl an Spielen ist riesig und der Einstieg ist sehr einfach und unkompliziert. Dennoch – im Endeffekt ähneln sich Onlinecasino und Spielhalle nicht so sehr, wie man zunächst vermuten könnte. Anders als bei 1:1 vergleichbaren Dingen, die vom Onlineangebot abgelöst werden – wie beispielsweise Reisebüros, Versicherungsmakler & Co., verhält es sich bei Casinos anders. Im stationären Casino geht es um das Erlebnis, das Gefühl und das Erleben von Events als etwas Besonderes.

Wir gehen davon aus, dass es große Spielhallen und Casinos noch viele Jahre geben wird, auch wenn mit Sicherheit eine Marktbereinigung stattfinden wird. So sehen wir die Zukunft nicht im reinen Automatencasino, in dem einzelne Spieler an Automaten vor sich hin zocken, denn dies ist zweifelsfrei durch Onlinecasinos 1:1 ablösbar. Die Zukunft liegt viel mehr im Erlebnis Casino, das sich nicht so einfach in die Onlinewelt übertragen lässt. Das Exklusive, die Atmosphäre und die besondere Ausstrahlung ist es, die Casinos, Spielotheken und Spielhallen am Leben halten wird. Zwar sicherlich in kleinerer Anzahl als noch derzeit, aber es wird sie geben, die Spielparadiese für Zocker, die als Treffpunkt, Glücksspieltempel und besondere Lokalitäten erhalten bleiben werden. Wir sehen den Vergleich zwischen Onlinecasino und Casino eher so wie zwischen einer virtuellen Reise in die Berge oder ans Meer und einer echten Reise ans Meer. Zwar kann man online ebenso das Meer, den Strand und tolle Örtlichkeiten sehen – es wird die echte Reise zum Meer aber nie ersetzen können.